Lyrik & Prosa-LogoAlfred-Müller-Felsenburg-Preis-Verleihung 2013


Am 24.November 2013 wurde der "Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur 2013"
im Rahmen des Projekts "literaturland westfalen" an

Michael Starcke erhält den Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur 2013, Foto (A): D.Gey (hf1113)

Michael Starcke

vergeben!
 

  Verleihung des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises 2013, (v.l.) Claudia Wädlich (Laudatorin), MichVerleihung des Alfred Müller-Felsenburg-Preises 2013 an Michael Starcke. Foto: Werner Kieber (hf1113)
Verleihung des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises: (v.l.) Norbert Labatzki (Künstlerischer Leiter von Mazel Tov), Michael Starcke,
Rudolf Damm (Laudator und Jury-Mitglied), Erika Stahl (Stellvertr. Bürgermeisterin Bochum),
Pit Böhle (Geschäftsführer Westf. Literaturbüro), Michael Fallenstein (Sohn von Alfred Müller-Felsenburg), Hans-Werner Gey

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Nicolaihaus in Unna, Foto: (c) Kreisstadt Unna (hf1112) Norbert Labatzki eröffnet die Ehrung musikalisch, Foto: D.G.(hf1113) Die Gäste kommen, Foto: D.G.(hf1113) Das interssierte Publikum, Foto: Werner Kieber (hf1113) Rudolf Damm hält die Laudatio auf Michael Starcke, Foto: D.G. (hf1113) Erika Stahl sprciht als stellvertretende Bürgermeisterin das Grußwort für die Stadt Bochum, Foto: D.G.(hf1113) Pit Böhle hat die Preisverleihung übernommen, Foto: D.G. (hf1113)  Michael Fallensteimn erzählt über seinen Vater und überreicht eine Flasche "ehrlichen Landweins", Foto (A): Werner Kieber (hf1113) Pit Böhle hat die Preisverleihung übernommen, Foto: D.G. (hf1113) Preisträger unter sich, Foto: D.G.(hf1113)  Norbert Labatzki beschließt die Veranstaltung musikalisch, Foto (A): Werner Kieber (hf1113)

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 Verleihung des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises 2013, Fotos: Ina Tomec

         Die Fotos sind von D. G. und Werner Kieber
Wir bedanken uns dafür.

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Alfred Müller-Felsenburg, 1999
Literaturland Westfalen-Partnerlogo

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Rudolf Damm hält die Laudatio auf Michael Starcke, Foto: D.G. (hf1113)Die Laudatio auf Michael Starcke,
von Rudolf Damm

Zum zweiten Mal nach 2012 wird heute der von dem 2007 verstorbenen Hagener Schriftsteller Alfred Müller-Felsenburg gestiftete und nach ihm benannte und undotierte – wenn man von der Flasche „ehrlichen Landweins“ absieht -  Literaturpreis für „aufrechte Literatur“ im Rahmen des Projekts „literaturland westfalen“ hier in den Räumen des „Westfälischen Literaturbüros“ in Unna vergeben. Der diesjährige Preisträger, der diese Auszeichnung erhält, weil er, wie es in der Verleihungsurkunde heißt, „In Worten zuhause ist“, ist der Lyriker Michael Starcke, in Bochum lebend, in der Stadt, in der der Hagener Alfred Müller-Felsenburg geboren wurde.

Hagen, Unna, Bochum – drei westfälische Städte. Aber nur Hagen und Unna spielen in der Geschichte der großen Literatur deutscher Sprache eine Rolle, gewiss, es ist nur eine Nebenrolle, aber, wie ich finde, ein gutes Omen für die an der Verleihung Beteiligten, wenn der große Heinrich Heine in „Deutschland. Ein Wintermärchen“ von 1844 in „Caput X“ schreibt:

Dicht hinter Hagen ward es Nacht,
und ich fühlte in den Gedärmen
Ein seltsames Frösteln. Ich konnte mich erst
Zu Unna, im Wirtshaus, erwärmen.

Von Hagen nach Unna:  welch eine literarische Prophetie -  hier zu sein mit dem Segen dieses Dichters! Und vier Strophen weiter heißt es bei ihm:

Ich habe sie immer so lieb gehabt,
Die lieben, guten Westfalen,
Ein Volk so fest, so sicher, so treu,
Ganz ohne Gleißen und Prahlen.

Verschweigen will ich nun aber nicht, dass unser Preisträger aus Bochum ein gebürtiger Thüringer aus Erfurt ist und ich, sein Laudator aus Hagen, ein gebürtiger Nordhesse. So viel zur Definition von Heimat im „nachheinischen“ gegenwärtigen Deutschland.

Nach Heinrich Heine, „dem Spötter“, dem doch angeblich „nichts heilig war“ möchte ich noch einen weiteren deutschen Geistesheroen anführen: Goethe. Dazu muss ich etwas ausholen:

Die Vergabe des „Alfred-Müller-Felsenburg-Literaturpreises“ ist eng mit dem Namen Hans-Werner Gey verbunden, dem Herausgeber des Internetportals „Lyrikwelt“, dem seit dem Jahr 2000 bestehenden Literaturportal (ein Jahr früher als „Wikipedia“!!), einer riesigen Literaturenzyklopädie mit tausenden alphabetisch aufgelisteter Dichter und Autoren aus aller Welt auf tausenden von Seiten –  genauer auf mehr als 30.000 Seiten mit Autorenbiographien, Rezensionen, Gedichten und Textproben, Hintergrundberichten, Fotos, Buchtitelabbildungen, Hörproben und wenigen Videos.

Jeder auf dieser Website angemeldete Autor, auch jeder „Gelegenheitsdichter“ kann seine eigenen Werke unter „Zugang“ auf diese Website setzen und stellt sie damit jedem Nutzer der „Lyrikwelt“ zur Verfügung. Eine wahrhaft demokratische Einrichtung, die es dem Leser – und nicht wie in einer gedruckten Anthologie – dem Herausgeber überlässt, „die Spreu vom Weizen zu trennen“. (Ein übrigens in Zeiten des Mähdreschers nicht mehr für alle Menschen nachvollziehbares Sprachbild, obwohl genau das auch diese Maschine tut!)

Dazu passt das Motto auf der Startseite der „Lyrikwelt“, das ein geradezu bösartiges Wort - auf jeden Fall für einen Lyriker - Johann Wolfgang von Goethes voranstellt, überliefert aus der Feder seines „getreuen“ Eckermann vom 29. Januar 1827:

„Um Prosa zu schreiben, muss man etwas zu sagen haben; wer aber nichts zu sagen hat, der kann doch Verse und Reime machen, wo denn ein Wort das andere gibt und zuletzt etwas herauskommt, das zwar nichts ist, aber doch aussieht, als wäre es was.“

Und natürlich ist auch Michael Starcke in dieser Internet-Anthologie mit Biographie und Gedichten aufgeführt, dieser Michael Starcke, der Preisträger, der „in worten zuhause“ ist, denn das ist der Titel eines seiner Gedichte, das aber ausreicht, um Sie, verehrte Zuhörer, entscheiden zu lassen, ob es zum „Weizen“ oder zur „Spreu“ gehört:

In worten zuhause

In worten zuhause
fällt mir immer
wieder der herbst ein,
seine botschaften,
die unbemerkt
auf bunten blättern stehen.

heimat fällt mir ein,
letzte süße des sommers,
das erinnern heißt,
vergessen.

nicht zufällig ist
die trauer beim wein,
widerspenstige hinterlassenschaft
der euphorie.

in worten zuhause
steht keines alleine für sich,
während sich die reihen
der gefährten lichten.

der herbst weiß,
dass er nicht das ende ist.
in seinen wurzeln grünt schon
unaufhörlich neue lebenszeit.

Als ich dieses Gedicht zum ersten Mal las, hatte ich das Gefühl in einen Spiegel zu blicken, ich las Worte, Gedanken, Sätze eines fremden Menschen, die mich anrührten, die auch für mich gültig waren, aber nicht nur für mich, sondern für alle Menschen, die bereit sind die Botschaft aufzunehmen, mit anderen Worten: ich las Dichtung! Und damit war für mich, als Mitglied der Jury für den „Müller-Felsenburg-Preis“ die Entscheidung gefallen: Michael Starcke war der Preisträger 2013!

Das wir, als Jury, richtig entschieden hatten, wurde mir im Mai diesen Jahres bewusst, als ich wie jeden Morgen, an dem ich die Zeit dazu habe, auf der sogenannten Kulturseite meiner Tageszeitung, der noch so genannten „Westfälischen Rundschau“ in Hagen nach dem täglichen Gedicht sah, es las und meine Frau bat, es ihr vorlesen zu dürfen:

Heute, am 18. Mai

heute, am 18. Mai
hätte ich mit der bahn
unterwegs sein können
auf dem weg in eine
andere gegend.
ich hätte ein-
tauchen können
in den fluss der ereignisse
an einer beliebigen stelle.
irgendeinen faden
hätte ich aufnehmen können,
ohne nach seiner bedeutung
zu fragen. Stattdessen
schaue ich in den regen,
als hätte ich meine arbeit getan,
ohne abgelenkt zu werden,
als hätte ich jemanden
gehört, der mit mir
sprechen will durch
die geschlossene tür
über das geheimnis
der schritte.

Sie bat mich das Gedicht zu wiederholen, was ich tat und sie bat dann um die Seiten, um es noch einmal selbst zu lesen. „Hast du den Namen des Verfassers gelesen?“ fragte sie mich – nein, hatte ich natürlich nicht! „Es ist der Michael Starcke, den ihr für den Preis ausgesucht habt!“ Es war der 18. Mai 2013! Da waren sie wieder, diese allgemeingültigen Gedanken, in Worte gefasst, die mich tief berührten: Poesie, Dichtung!

Erst ein paar Wochen später habe ich Michael Starcke persönlich kennengelernt, im Garten der Geys unter einem Sonnenschirm, den 1949 in Erfurt geborenen, der jetzigen Landeshauptstadt des Bundeslandes Thüringen, damals in der gerade geschaffenen DDR. Zwillingsbruder, von Kinderlähmung betroffen, deshalb der Stock. Der Zwillingsbruder Peter Starcke illustriert mit seinen Bildern die Gedichte Michael Starckes: Kopf und Hand ergänzen sich, schaffen gemeinsam ein Ganzes – in Büchern und Kalendern, immer wieder seit 1995Tröstlich die grüne Decke von Michael Starcke, 2012, früher vogelDie Familie wechselte 1959 in die Bundesrepublik, ab 1961 nach Bochum. Brotberuf Apotheker, aber schon in der Kindheit schrieb er Gedichte, der Neffe des thüringischen Heimatdichters Hans Huckebein = Hans Starcke.  Also, der Lyriker Michael Starcke mit, wenn ich richtig gezählt habe, 23 Gedichtbänden, dessen Werk in „Wikipedia“ folgendermaßen beschrieben wird: „Der Grundton der meisten Werke Michael Starckes wird als melancholisch oder nachdenklich beschrieben. Kritiker heben die Erkundung des Alltags und eine daraus resultierende über den Alltag hinausgehende eigene Gedankenwelt hervor.“

Nein, fröhlich sind seine Gedichte nicht unbedingt zu nennen, aber auf keinen Fall depressiv. Ich lasse ihn für sich selbst sprechen mit dem Gedicht meine poesie aus dem 2012 im Verlag Früher Vogel erschienenen Lyrikband tröstlich die grüne decke:

meine poesie hallt wider

von der rauen stimme

der klingenden see,

ist echo auf alles,

was ich erlebe.

meine poesie ist

wie ein flacher stein,

geklaubt aus dem sand.

vielleicht werde ich ihn

in ein ruhiges gewässer

werfen, geschickt

und gezielt, damit

er aufsetzend springt

und schöne kreise zieht.

Meine poesie ist herbstlich

von anfang an,

ein keil,

wie ihn zugvögel bilden

im flug.

meine poesie bin ich,

sanft und melancholisch,

aber auch verzweifelt wie der schrei,

mit dem man hochschreckt

aus visionen und träumen

Ich schließe meine Laudatio mit den Worten des Bochumer Journalisten und Schriftstellers Werner Streletz, eines Altersgenossen von Michael Starcke, der in seinem Beitrag der 2009 erschienenen Hommage „ In Worten zuhause- der Lyriker Michael Starcke – Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter gratulieren zu seinem 60. Geburtstag am 19. Dezember 2009“ über ihn geschrieben hat:

„Michael Starcke ist ein Poet, der konsequent seinen Weg gegangen ist und geht. Mehr noch: Er hat nie nach dem Literaturmarkt geschielt und sich durch dort gerade grassierende Moden beeinflussen lassen. Und darüber hinaus: Wer sich einmal auf den poetischen, anscheinend nie versiegenden Sprachfluss von Michael Starcke eingelassen hat, dem wird schon bald klar, wie eng die Person des Dichters mit den wie monomanisch hintereinander gesetzten Reflexionen, Bildern und sorgsam gewählten Metaphern verbunden ist. Sonnenschein ist selten, eher prägt leichte Melancholie die dem eigenen Ich abgelauschten Verse. Michael Starcke ist sicherlich keiner von denen, die durchs Leben tanzen. Doch wer wäre dazu schon in der Lage, dem das Dasein bestenfalls als Tragikkomödie beschreibbar scheint! Ironische Distanz hilft da manchmal, doch nicht immer…“

Soweit ein Weggefährte des von uns Geehrten, dem ich danken möchte, dass er die Ehrung annimmt!

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 Verleihung des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises 2013, Fotos: Ina TomecDie Dankesrede von
Michael Starcke!

Anlässlich der Preisverleihung des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises, am 24. 11. 2013

Liebe Anwesende,

das Empfangen des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises für aufrechte Literatur im 25. Jahr seines Bestehens, erfüllt mich, (wie könnte es anders sein?), mit Freude, Stolz und Dankbarkeit.

Gerührt und bewegt denke ich, warum ausgerechnet diese Ehrung für mich, obwohl ich nichts anderes tue als meine Arbeit, die niemand von mir verlangt und die ich trotzdem als notwendig erachte, was ich vielleicht denjenigen, die meine Gedichte nicht kennen oder noch nicht kennengelernt haben, näher erläutern muss?

Und da kommt mir der Zusatz der Ehrung, „für aufrechte Literatur“ geradezu gerufen.

Seit ich das Schreiben ernsthaft und mit allen Konsequenzen betreibe, nachdem ich mich schon lange mit Literatur, besonders aber mit Gedichten, beschäftigt habe, war und ist es bis heute mein Credo, die Ohren und Herzen meiner Leser authentisch und aufrecht, im Sinne von Aufrichtigkeit, zu erreichen.

Und so ist es kein Wunder, dass meine Texte bei aller Phantasie, die nicht fehlen darf, nicht abstrakt sind, sondern gelebtes und erlebtes Leben verkörpern, wie ich es tagtäglich wahrnehme, beobachte, liebe und erleide mit dem dringenden Bedürfnis, es in Worte zu bringen.

Dabei hat mir die langjährige Beschäftigung in verschiedenen Apotheken sehr geholfen, aber auch, dass ich als Kind, mit Kinderlähmung behaftet, eine Art Außenseiter gewesen bin, mehr Zuschauer als aktiv Handelnder, eher introvertiert, als vor Temperament zu sprühen, Zurückhaltung, die mir zu Gute kam, weil sie Vertrauen schuf in den Zuhörer, der ich war und bin, ein Gesprächspartner, der viel erfährt, weit mehr als er unbedingt erfahren müsste und mitunter verarbeiten kann.

Nichts beschreibt die Entstehung meiner Literatur besser als diese meine Position. Um es einfach und sehr direkt auszudrücken, bemühe ich das Zitat eines mir geschätzten Kollegen, Rainer W. Campmann,: „Erst fällt mir was auf, dann fällt mir was ein.“

Dass dabei kaum ein Thema ausgeschlossen bleibt, versteht sich von selbst.

Dass ich vor allem Gedichte schreibe, liegt daran, dass ich damit für mich die Form entdeckt habe, die die knappste ist, aber genügend Raum lässt, mit- und nachzudenken und rückblickend Neues zu entdecken und intensive Bilder entstehen zu lassen.

Das ist der Sinn. Ich kann mit meiner Literatur die Welt nicht verändern, aber den Blick darauf richten und, wie es so schön heißt, sensibilisieren.

Dass sich meine Gedichte nicht reimen, ist mein Schicksal als Dichter. Es reimt sich nicht.

Und so äussere ich meinen Dank für das Vertrauen und vielleicht sogar die Hoffnung, die dieser Preis bedeutet, noch mit einem anderen, schon einmal formulierten Text:

 

Mein Dank gilt den Menschen, die etwas mit mir zu tun haben, weil wir uns kennen, selbst wenn es der Fall sein sollte, dass wir uns nie gesehen haben. Diese Begegnungen ermöglicht das geschriebene Wort, die schmale Auflage meiner Bücher.

Mein Dank gilt der Sprache, die ich erlernte, ohne ihr je Herr zu werden, die mir ermöglicht, mein Denken und Fühlen auszudrücken, die eigensinnigste Meinung und den billigsten Wunsch, mit denen ich ringe, die ich in Verse bringen oder gar verschweigen kann, aber niemals vergessen, sollte ich auch sprachlos sein vor Entsetzen.

Mein Dank gilt dem Talent, etwas ins Wort bringen zu können, das ich aufschreiben kann, selbst wenn es mir zuweilen wenig Freude macht.

Einmal mit dem (Auf-)Schreiben befasst kann ich es nicht mehr lassen, obwohl es womöglich wichtigere Dinge gibt, wenn ich über den bisherigen Verlauf meines Lebens nachdenke.

„der preis der poesie“, betitelte ich einen Gedichtband vor Jahren und weiß, wovon ich rede, wenn ich behaupte, dass man Nähe, die man mit Hilfe des Schreibens sucht, noch ehe sie zustande gekommen ist, verlieren kann, wenn man besessen schreibt, als ginge es ums Überleben.

Dass es tatsächlich darum geht, wird mir mit zunehmendem Alter klarer, „ein gewöhnliches bedürfnis“, wie ich schrieb, „buchzuführen nach art der engel“.

Mein Dank gilt den Mitmenschen, die mir mit Verständnis begegnen, zuweilen augenzwinkernd mit eher mitleidigem Lächeln, gilt aber auch denen, die sich von mir abgewendet haben, weil andere Dinge für sie zählen. Eine Verquickung wäre schön, scheint mir aber nicht lebbar oder nur auf Distanz.

Wir Schreiber sind ein „Völkchen“ für uns, beklagen unsere Einsamkeit, können aber auch nicht ohne sie sein in Stunden höchster Konzentration.

Wir schreiben Liebesgedichte, aber es ist nicht leicht, umzugehen mit uns, selbst wenn wir verliebt sind und es nicht an Ideen mangelt. Das ist das Schizophrene an uns.

Wir beschreiben die Welt und können sie dennoch nicht ändern.

Trotzdem!

Ich danke denen, die mir diesen Preis verleihen und meinen Verlegern für ihren Mut, besonders Christoph Lammert, der liebt, was er macht und kann.

Ich danke meinen Lesern für die Möglichkeit, Ihnen mein Herz, das übervolle, auszuschütten.

Ich danke meinen Freundinnen und Freunden, unter deren Beobachtung ich stehe.

Sie sind sanft und unaufdringlich und frei von blindem Eifer.

Ich danke meinem Zwillingsbruder Peter für seine sensiblen Bilder, mit denen er manche meiner Bücher kongenial bereichert hat.

Ich danke meiner Frau für ihr liebevolles Verständnis und ihre überirdische Geduld,

für den pfleglichen Umgang mit konstruktiver Kritik.

Ich danke Gott für seine Hilfe.

Ich danke für mein Stichwort: Literatur.

Woanders sollte ich zuhause sein als in Worten?

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