Blaues Lachen Bleibt von Gabriele Franke, 2014, Lorbeer VerlagBlaues Lachen Bleibt.
Gedichte von Gabriele Franke (
2014, Lorbeer-Verlag).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, Oktober 2014:

Zu meinen Füßen/ habe ich dich gefunden/ ein Herz aus Stein

Mit ihrem zweiten Lyrikband „Blaues Lachen Bleibt“ setzt die Bochumer Autorin Gabriele Franke ihre Reise in der Welt der Poesie fort, die sie beeindruckend mit ihrem Erstling „Mein Geschenk An Dich – Dein Geschenk An Mich“ begonnen hat, ein neue, nicht zu überhörende Stimme im Kanon ernsthafter DichterInnen.

In vier Kapitel geteilt geht ihre Reise im wahrsten Sinn des Wortes um die Welt, in die der Jahreszeiten, in die der Liebe und Sprache, in die der Kindheit und Politik, also,

könnte man sagen, mitten in „Pralles Leben“. Ihr Instrumentarium besteht aus unverstellter Sprache, mal mit oder ohne Interpunktion, aus einfallsreichen ungewöhnlichen Metaphern, bei denen man aufhorcht, aus Bildern, die Kopf und Herz wahrnehmen, um sie nicht einfach wieder zu vergessen, sondern sie nachdenklich, manchmal heiter, manchmal traurig oder betroffen als „Phantastisches Erlebnis“ zu bewahren.

„Es fließen Wörter/ mit sinnlicher Langsamkeit/ aufs weiße Papier, “ schreibt sie, um ihre Intention als Dichterin zu charakterisieren: „Wahrheit schön verschnürt/ in Silben, Texten, Tönen/ Gedichte packen aus.“

Dafür, dass dem so ist, gibt es immer wieder lesenswerte Beispiele.

„Blicke starren/ unbeweglich, tatenlos/ können sich nicht ablösen// Sind erstaunt, ratlos/ vor einem Wimpernschlag  Zeit/ ins Paradies geschaut“.

Ihre Gedichte erzählen von Ein- und Aussichten, immer wieder von Liebe, Schmerz und Verlust. Sie sind gute Beobachter.

„Meine Liebe ist Wasser, / klar, unaufhaltsam, lebendig, / trägt die Farben des Himmels./ Sie wurde geboren/ aus den Tränen des Glücks.“

Ihre Gedichte sind real: „Im überfüllten Zug/ ein Stehplatz der Zweisamkeit/ auf zugigem Gang“, aber auch wie ein „Silvesterfeuerwerk“: „Wünsche, Vergessen/ gewebt aus dem Stoff der Zeit/ zerronnen im Schwefeldampf“.

Sie verarbeiten Erfahrungen und benennen „Was zusammengehört“.

Sie sind zum Heulen schön, aber auch zum Verzweifeln komisch, wenn die Dichterin für sich beschließt, „meine Liebe war für ‘n Arsch“. Wenn sie sich einen Kerl, einen „Stutenkerl“ bäckt oder in „Liebes Lektorat“ moniert: „…meine Texte sind persönlich/ und deine Persönlichkeit fehlt mir“.

Gabriele Franke, selbstkritisch, klug und weit gereist, liebt das Leben und die Liebe.

Sie weiß: „Die Poesie in mir/ ist Abbild meines Lebens/ wünsche mir Pastell“.

Aber auch: „Rotgoldgelb die Welt, / gerade erst am Erblühen/ dem Verfall geweiht“.

Sorgfältig beschreibt sie ihre Lebenswege und Wahrnehmungen, den Wechsel der Jahreszeiten ebenso wie „Nachrichtenzeit“ oder „Ela“, den Gewittersturm, „Am Morgen  danach“ , „Am Tag danach“.

„Keine Erbsen zählen ist - / besser als alle Vernunft, “ hält sie fest und in ihrem engagierten Gedicht „Wir alle sind Fremde“: „Wir sollten Türen öffnen, / hell und bunt. Tut’s kund!//

Uns maßlos bereichern/ an Küche, Sprache, Tradition, köstlich erfrischen.// Seit Jahrhunderten sind wir vermischt im Gebräu/ vergessener Zeiten.“

Zweifellos ist Gabriele Franke eine Weltbürgerin und Dichterin von Gottes Gnaden. Und immer wird sie eine Dichterin der Liebe sein und bleiben, die, gut möglich, die Sehnsucht ihres Lebens in sich birgt. Wie die Sprache, der ihr Herz gehört.

„Ich liebe Leben/ treu, ehrlich, aufrichtig, stark/ das bin einfach ich“, bekennt sie und:

„Buchstaben, Worte/ Sprache entsteht nicht im Mund/ ihm entspringt der Ton“.

„Blaues Lachen Bleibt“ ist ein Gedichtbuch, das man immer wieder in die Hand nehmen wird. Es ist berührend, tröstlich und gut. Es ist, banal gesagt, ein großer Wurf. Ein blaues Lachen, das bleibt.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

Leseprobe I Buchbestellung 1014 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Michael Starcke