Denkspur von Hartmut Brie, 2006, WiesenburgDenkspur.
Gedichte von Hartmut Brie (2006, Wiesenburg Verlag).
Besprechung von Sven-André Dreyer für
Verstaerker-online.de, 30.01.2009:

Der 2006 im Wiesenburg Verlag erschienene Gedichtband Denkspur des Lyrikers Dr. Hartmut Brie umfasst 8 Kapitel, die verschiedene Aspekte des gesellschaftlichen Lebens in den Fokus stellen. Ist das erste, das Hauptkapitel mit dem Titel Welt im Fokus ausschließlich dem Afrikanischen Kontinent, den Problemen und Widrigkeiten des Landes und dessen Menschen gewidmet, so entführt Brie den Leser in weiteren 7 Kapiteln in die Untiefen unserer Gesellschaft. Er sieht dabei genau hin, beobachtet scharf, deckt auf, formuliert treffend und schonungslos.

Der aus Süddeutschland stammende Autor, 1943 in Freiburg im Breisgau geboren, weiß wovon er spricht, wenn er uns aus Afrika erzählt, aus dem Inneren des Landes, aus seiner eigenen Erfahrung.

Der Romanist und Anglist Dr. Hartmut Brie lebte selbst 11 Jahre in Afrika und arbeitete dort in der Bildungshilfe, verschaffte sich Einblicke in diese fremde Kultur, in dieses unbekannte Land. Und Brie betrachtet das Detail, arbeitet, sprachlich hoch anspruchsvoll, mit knapper komprimierter Formulierung, zeichnet oft fragmentarisch und losgelöst von bekannter Erzählweise seine Beobachtungen und legt dabei nicht selten den Finger in die Wunde. Seine Lyrik ist einzigartig, neu, nie gelesen.

So schonungslos Brie seine Beobachtungen dem Leser darbietet, so sehr ist man als Leser gefangen von der Art dieser Texte. Dicht und kompakt kommen seine Gedichte daher, verlangen ein mehrfaches Lesen, er konfrontiert den Leser nur allzu gern mit der unbequemen Wahrheit und verkündet, was in der Gesellschaft oft und gern tabuisiert, verschwiegen wird. Dieses nachdenklich stimmende Werk wird durch Schwarzweiß-Fotografien afrikanischer Skulpturen seiner privaten Sammlung begleitet, die ebenso stimmig eingesetzt werden wie die Anordnung seiner Gedichte selbst; die Fotos unterstreichen die Wirkung seiner Lyrik, man kann den Blick nicht lösen, liest sich fest in der Erkenntnis, dass man genau hinschauen sollte, hinter die Fassade dieser Gesellschaft.

Ferner zeigt Brie eindrucksvoll, dass Lyrik modern sein kann, neu und spannend, dass sie auch in der heutigen Zeit eine politische Rolle einnehmen kann. Er spielt mit der Erwartung des Lesers und enttäuscht diese nicht - Lyrik, die tief unter die Haut geht. Wunderbar.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.verstaerker-online.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0609 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Verstärker/Sven-André Dreyer