Der einzige Mann auf dem Kontinent von Terézia Mora, 2009, Luchterhand1.) - 2.)

Der einzige Mann auf dem Kontinent.
Roman von Terézia Mora (2009, Luchterhand).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 9.9.2009:

Terézia Mora schickt die Leser in der Zeitgeisterbahn
Die Autorin Terézia Mora spiegelt in ihrem neuen Roman "Der einzige Mann auf dem Kontinent" die globalisierte Medien-Gesellschaft meisterhaft – in einer einzigen Figur: einem dicklichen IT-Experten.

Wir sind Darius Kopp. Wir sind ein dicklicher IT-Experte in den Vierzigern, „der einzige Mann auf dem Kontinent” Europa als Vertreter einer US-Firma für Sicherheitssysteme. Wir, Darius Kopp, irren durchs Leben in stets scheuernden Schuhen und befleckten Hemden (wir essen gern). Wir sollten etwas tun, müssten beginnen mit der Arbeit – allein, es scheint immer etwas dazwischen zu kommen. Trotzdem: Wir glauben an uns! Es geht voran!

Die Autorin Terézia Mora hat mit Darius Kopp die Literatur um eine Figur bereichert, die nicht nur ein Zeitgeist ist. Sondern über das Stellvertretende hinaus ans reale Leserherz rührt – bis zur Identifikation.

Kopps Leben zwischen Büro und Ehebett ist ein gehetztes, unstetes – denn immer wieder verliert er Zeit für: „Essen, Trinken, Internet. Das mich nährt, informiert, amüsiert.” Der Preis, den er zahlt: „Der Schmerz in den Augen, die schwere Watte im Kopf.” Wie es kommt, dass ihm gleich die ganze Welt virtuell scheint, das erzählt Mora streng chronologisch, streng aus seiner, Kopps, Perspektive. Und doch schwindelt uns wie von schnellen Sprüngen: weil jener Darius Kopp sich selbst, seinen Job, seine Ehefrau verliert.

Wir sind allein

40 000 Euro lassen ihm zahlungsunmoralische Armenier im Schuhkarton zukommen, wie soll er das nun abrechnen? Seine Vorgesetzten in Übersee sind nicht zu erreichen, Funklöcher, Fehlermeldungen, die Tücken technischer Kommunikation. Eine Kafkaeske. Am Ende fusioniert seine Firma, seinen Job übernimmt ein anderer, und auch seine Frau scheint neue Bindungen einzugehen. Und noch immer glaubt er: Es geht voran.

Der Deutsch-Ungarin Terézia Mora, die für ihrem Roman „Alle Tage” (2004) viel gelobt wurde und mit dem aktuellen Werk auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis steht, ist ein sprachspielerisches Sittenbild der globalen Gesellschaft gelungen – reduziert auf einen einzigen Menschen. Wir sind Darius Kopp. Wir sind: allein.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

Leseprobe I Buchbestellung I home 0909 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Westdeutsche Allgemeine

***

Der einzige Mann auf dem Kontinent von Terézia Mora, 2009, Luchterhand2.)

Der einzige Mann auf dem Kontinent.
Roman von Terézia Mora (2009, Luchterhand).
Besprechung von Christoph Schröder aus der Frankfurter Rundschau, 06.01.2010:

WAS FEHLT

Immer wieder wird von Literatur verlangt, sie solle Gegenwart einfangen, und wenn es dann einen Roman gibt, dem dies auf hochliterarische Weise gelingt, schafft er es nicht einmal aufdie Shortlist des Deutschen Buchpreises. Mit ihrem Antihelden Darius Kopp, der ganz allmählich die Kontrolle über sein Berufsleben verliert und dies ebenso wenig bemerkt wie die Tatsache, dass seine Ehe in eine Krise schlittert, hat Terézia Mora eine furchterregend zeitgemäße Figur geschaffen. "Der einzige Mann auf dem Kontinent" ist ein rasanter, unterhaltsamer und zugleich beunruhigender Roman aus der neuen Arbeitswelt, der von Krisen aller Art erzählt.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter fr-logo]

Leseprobe I Buchbestellung I home 1006 LYRIKwelt © Frankfurter Rundschau