Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun von Matthias Engels, 2015, PureDie heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun
Historischen Roman von Matthias Engels (
2015, Edition Pure).
Besprechung von Thorsten Trelenberg, Flußpoet, Schwerte/Ruhr, 10.09.2015:

Es gibt sie also noch. Neuerscheinungen, die wie funkelnde Sterne den Bücherhimmel erleuchten.
Eine Bereicherung für jeden Bücherschrank ist der Roman "Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun", des Autors Matthias Engels.

In seiner  sprachlich geschliffenen, vielschichtigen und mit viel Raffinesse angelegten Story entführt uns der Autor in die 1880er Jahre. In seinem bewusst als Fiktion angelegten Roman nimmt er uns  mit auf eine Reise, die kurz nach Neujahr 1882 im Hafen von New York beginnt. Ein junger 27jähriger Mann, von dem man sich erzählt, dass er immer und ausschließlich in Jamben spricht, bricht von hier aus zu einer geplanten vier monatigen Reise auf, um den amerikanischen Kontinent zu erobern. Schnell stellt es sich heraus, dass es sich bei dieser Person um den Dichter Oscar Wilde handelt.

Ebenfalls kurz nach Neujahr 1882 schifft sich ein anderer junger Mann für die Überfahrt von Bremerhaven nach New York ein. Wie schon bei Wilde, ist auch seine Berufung das Schreiben. Um seine Reise zu finanzieren, hat er gegenüber dem Direktor des Norddeutschen Lloyd vorgegeben, dass er als Journalist die Erfahrungen der zahlreichen Emigranten, die diese Linie nutzen, um nach Amerika zu kommen, dokumentieren möchte. Knut Pedersen vom Hamsund, der sein Glück schon als Hausierer, Schuhmachergehilfe oder Ladenbursche versuchte, wird später als Knut Hamsun in die Literaturgeschichte eingehen.

In der als Logbuch angelegten Geschichte begleiten die Leser nun die beiden so unterschiedlichen Schriftsteller auf ihrer Reise durch die Zeit. Wie unterschiedlich sind doch die Amerika-Erfahrungen der beiden jungen Verseschmiede. Dem Dandy Oscar Wilde liegt Amerika zu Füßen. Mit Knud Pedersen begleiten wir einen Dichter, dessen Begegnungen eher hinter der glitzernden Fassaden einer jungen und aufstrebenden Nation stattfinden.

Gekonnt flechtet Matthias Engels unterhaltsame und informative Exkurse in die  Geschichte um seine beiden Hauptdarsteller ein. Dadurch verdichtet sich der Roman auch im Sinne einer erzählerischen Dokumentation über die in jener Zeit  stattfindende technische Revolution. Sowohl die Erleuchtung der Welt durch die Erfindung der Glühbirne, als auch die Elektrifizierung New Yorks und später - nach der Rückkehr der beiden Dichter nach Europa - ein Rundgang über die Weltausstellung in Paris, sorgen für eine angemessene Dramaturgie, die reale Geschehnisse aus jener Zeit aufnimmt.

Doch was wäre das Leben ohne die Liebe?

Mit viel Fingerspitzengefühl gewährt uns Matthias Engels einen Einblick in das bisweilen turbulente Liebesleben dieser beiden Autoren von Weltrang. Mit Blick auf den Bohemien Oscar Wilde gelingt so ein Einblick in den Moral und Sittenkodex der englischen Gesellschaft im letzten Jahrhundert.

Nach dem Tod Wilde's begibt sich der Autor weiter auf die Spuren Hamsuns. Der mittlerweile zum weltbekannten Schriftsteller gewordenen Norweger verirrt sich in den Versprechungen der Nationalsozialisten. Eindrücklich wird ein Besuch Hamsuns bei Hitler geschildert. Sorgfältig vom Autor recherchiert, erlesen wir dann die Nachkriegsjahre und den Umgang der Norweger mit ihrem einstigen Nationaldichter. Tagebucheinträge und Protokolle Hamsuns vermitteln einen Eindruck vom Innenleben des hochbetagten Schriftstellers.

Matthias Engels ist mit seinem Roman ein großer Wurf gelungen, der Lust auf mehr macht.

Mehr Wilde,

mehr Hamsun,

aber vor allem mehr Engels!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

Leseprobe I Buchbestellung 0915 LYRIKwelt © Thorsten Trelenberg.