Die Welt auf dem Prüfstand von Hartmut Brie, 2017, WiesenburgDie Welt auf dem Prüfstand.
Gedichte von Hartmut Brie (2006, Wiesenburg Verlag).
Besprechung von Bianca Flier
in der Badischen Zeitung, 16.02.2017:

„Die Welt auf dem Prüfstand“ – Neue Lyrik von Hartmut Brie
 „Die Welt auf dem Prüfstand“ ist der Titel des achten Lyrikbandes, den der Schriftsteller und Dichter Hartmut Brie einem seiner Lieblingsthemen gewidmet hat: Dem gebeutelten und ausgebeuteten doch gleichwohl immer noch geheimnisvollen, magischen Kontinent Afrika. Illustriert hat das im Wiesenburg-Verlag erschienene Buch der renommierte Künstler Franz Gutmann, Afrikakenner wie Brie selbst.

Brie hat dem Werk einen eigenen, knappen Aphorismus vorangestellt: „Die Tiefe eines Gedichts ist sein geistiger Raum“. Die Räume oder Motive, die das Buch gliedern, bestehen aus sechs Kapiteln. Im ersten, „Afrika zwischen Hoffen und Bangen“, kontempliert er den Kontrast zwischen Illusion und Realität des Schwarzen Kontinents. Die rituelle Lebenskraft, der ungebrochene Zauber und die Sinnlichkeit werden der Gewalt und dem Lärm der Waffen gegenübergestellt.

Aktuell wie nie zuvor ist das Kapitel „Auf der Flucht“. Die Willkommenskultur des Hauses Europa, das so ganz anders ist als die Hoffnung es haben will. Das Paradies der Menschenrechte, geoutet letztlich als Utopie?

„Arabische Fragezeichen“ führen den Leser in ein weiteres Labyrinth der Gegensätzlichkeit. Bilder entstehen vor dem Auge von einem modernen Märchenland aus Tausendundeine Nacht, doch sie stoßen rasch auf die hässliche Dunkelseite eines Reichtums, der nur wenigen zugutekommt. Aber die „Gesellschaftliche Beliebigkeit“ sieht gerne über solche Zustände hinweg. Der Mainstream ist stärker als die Wut im Bauch über den Scherbenhaufen. Doch die Angst davor, dass „Die Welt eine andere“ sein könnte, wenn die „Ware Mensch“, die da hoffnungsvoll unterwegs ist auf ihrem „Weg zum Glück“, sich in ein Pulverfass verwandeln könnte -  sie bleibt bestehen. Ob die „Kunst als letzter Freiraum“ bleibt, lässt die Lyrik offen. Doch der Hoffnungsschimmer blitzt immer wieder durch die Worte, die manchmal schwer wie die unverdaulichen Steine im Magen des Wolfs wiegen. Steine des Anstoßes!

Hartmut Brie weiß, worüber er schreibt. Der 1943 in Freiburg im Breisgau geborene Schriftsteller hat sich elf Jahre lang in West- und Zentralafrika engagiert, mit Kampagnen in der Alphabetisierungs- und Erwachsenenbildung. Seine Lyrik taugt nicht zum Zurücklehnen und Entspannen. Sie rüttelt auf.

Der  international bekannte Künstler Franz Gutmann, ein Urgestein aus dem Münstertal/Schwarzwald, hat mit seinen graphischen Porträts die Gesichter Afrikas nicht weniger bewegend eingefangen als der Lyriker Brie. Auch Gutmann kennt Afrika, das er in den 1950er-Jahrens bereiste,  aus eigener Anschauung. Das Umschlagbild, das die Skulptur des Kopfes einer Afrikanerin zeigt, stammt von ebenfalls von Gutmann.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Badischen Zeitung]

Leseprobe I Buchbestellung 0217 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © mit freundlicher Erlaubnis von Bianca Flier