von oben winzige punkte von Michael Starcke, 2014, Verlag Früher Vogelvon oben winzige punkte.
Gedichte von Michael Starcke
(2014, Verlag Früher Vogel).
Besprechung von Jürgen Boebers-Süßmann in der WAZ vom 22.11.2014:

Bochumer Lyriker Michael Starcke legt neue Gedichte vor
„Die Arbeit am Gedicht ist meine Form des Überlebens“, sagt der Bochumer Lyriker Michael Starcke. Sein dieser Tage erschienener Gedichtband „von oben winzige punkte“ legt davon Zeugnis ab.

Es ist das vorerst letzte Werk in einer ganzen Reihe, die seit Starckes Anfängen in den 1970er Jahren entstanden. Der Bochumer ist sich, obschon sprachlich immer weiter fortgeschritten, über all die Jahre treu geblieben. Er steht für eine lyrische Revolte im Namen des Menschlichen.

Seine wie beiläufig formulierten Beschreibungen von Seelenzuständen und Naturerlebnissen mögen einen melancholischen oder nachdenklichen Grundton haben. Und doch erscheinen sie als Chiffren für jene Manifestationen dieser Welt, die unvermittelt auf das innere Ohr eines jeden einwirken, der sich darauf einlassen mag.

Eigene Assoziationen zulassen

Das Horchen auf die Stille zwischen den Worten, aber auch auf die Leerstellen zwischen den banalen Begleitumstände des Daseins fällt naturgemäß schwer in einer Gesellschaft, die dem Gleißnerischen, dem Konsum und der Hast verfallen ist. Umso wichtiger, scheint es, dass es einen gibt, der den ZEN-Appeal des Augenblicks noch einfängt, ihm Form und Stimme gibt.

In Starckes Gedichten werden auch Fragen gestellt, dabei Antworten erhofft, wenn auch nicht explizit gegeben. Vieles bleibt in der Schwebe, der Leser muss/darf/kann den Raum, den die Wörter lassen, mit eigenen Assoziationen füllen: „wetterwendisch der tag/seine bedeutung/noch nicht einzusehen,/im Auge der Zukunft.“

Sinn und Form

Starckes Zeilen erschließen sich nicht im Schnelldurchlauf, man muss sich ihnen – wie jeder guten Lyrik – hingeben, dann erweisen sie sich als freundliche Dialogpartner für uns Heutige, nicht unähnlich der Gedankenwelt und Bildersprache, wie wir sie aus dem Werk eines Günter Eich, eines Peter Huchel kennen. Und doch sind Sinn und Form ganz modern, niemals hermetisch.

Michael Starcke ist ein Dichter, der „mit den herztönen/der sprache/hypnotisieren“ will. Einer, dem man zuhören sollte.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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