Weit gehen von Eva Förster, 2009, Schiler

1.) - 2.)

weit gehen.
Gedichte von Eva Förster (200
4, Verlag Hans Schiler).
Besprechung von Paul Alfred Kleinert, Berlin-Kreuzberg,
für die LYRIKwelt.de, XII/2009:

Ihr Debut als Lyrikerin gab unlängst die Berliner Theaterkritikerin und Publizistin Eva Förster (Jahrgang 1968) mit dem Gedichtband „weit gehen“.

Hatte Förster bereits 2004 mit ihrem Gedicht „Mammographie“ bei der International Poetry Competition „Féile Filíochta“ auf Irland den dritten Preis gewonnen, so liegt nun eine erste Sammlung ihrer Gedichte vor.

Thematisch werden darin verzweifelnde Liebe, sich im Lebensprozeß vollziehende Auslöschung, Tod und Aufbruch angesichts desselben aufgenommen.

Aufbruch

Der Duft
des Frühjahrs
nimmt ihm den Atem

Trauer wächst
herzwärts,
vergittert den Muskel.

Der Tod kommt als Freund


Einerseits Hingabe und andererseits Konsequenz in Anwendung auf ungute Bindungen sowie Gefühle vor ausweglosem Geschehen finden Bearbeitung und Ausdruck im Gedicht, dessen Verdichtung bei Förster eine präzise Sprache erfährt.

Schlussstrich

Ich möchte keine
Pirouetten drehen
auf dem knirschenden Eis
deiner Seele


Durch den Wechsel einer gleichsam changierenden Geschlechtlichkeit bekommen einige der Gedichte eine fast neutrale Gültigkeit, deren Resultat die Frage einer (in sich unsicheren?) Zuordnung oder Zugehörigkeit aufwirft.

Im besten Sinn des Wortes geschieht durch die Gedichte der Förster eine Hinterfragung von Ablaufgültigkeit, deren Subjektzuordnung keineswegs zufällig bleibt.

In summa: ein Leseanspruch der besonderen Art.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 1209 LYRIKwelt © P.A.K.

***

Weit gehen von Eva Förster, 2009, Schiler2.)

weit gehen.
Gedichte von Eva Förster (200
4, Verlag Hans Schiler).
Besprechung von Sylvia Tornau,
für den Newsletter der Autorinnenvereinigung Amelia, 8/2010:

Mit ihrem Debüt als Lyrikerin wagt sich Eva Förster, Publizistin und Theaterkritikerin mitten hinein ins Menschliche.
Sehnsüchtig, wartend, trauernd und gierend, die Texte lesen sich wie situationsabhängige Zusammenfassungen menschlichen Lebens, gesprochen von der Stimme aus dem Off. Gerade das scheinbar Unbeteiligtsein dieser Stimme, die den Beobachtungen zugrunde liegende Lakonie ermöglicht der Leserin ein Beteiligtsein, ein Hineingezogenwerden in den Text, die Situation. Dieses seziermesserscharfe Hindeuten auf das ‚Hier, Jetzt und So ist es’ kann sich einen Augenblick, eine Zeile später allein durch ein Augenzwinkern, eine leichte Bewegung der Luft oder das Eindringen eines Gedankens in den Kopf der Leserin in das genaue Gegenteil des eben klar Empfundenen wandeln. So z.B. in dem Gedicht „Der Kriecher“: Da saß er./ Sein Schließmuskel/ entließ/ Wirbel/ für Wirbel./ Als alles heraus war,/ fiel er vornüber./ Die Menschen staunten/ und sagten:/ Seht an, er hatte ein Rückgrat!

Die Gedichte in diesem Band wecken tief in uns schlummerndes Wissen und offene Seins-Fragen. Beim Lesen wird klar, da ist sich eine ganz nah und stellt sich dem Leben maskenlos, erwartet Befriedung der eigenen Seele im Inneren, in der Akzeptanz der eigenen Vielheit. So gelesen in „Erkenntnis“: In mir hockt ein Kind/ mit Matrosenkragen/ und wenn SIE die Braue hebt,/ bekomm ich’s mit der Angst.

Eva Förster gelingt in ihrem Gedichtband der Spagat zwischen den kleinen Details des alltäglichen Lebens und den dahinter liegenden großen Gedanken. Die Mechanismen der Verunsicherung, das Wechselspiel von anziehen und abstoßen, von Stillstand und Bewegung werden ebenso schonungslos aufgezeigt wie die Gier in Liebesbegegnungen und der Schmerz von Abschieden. Die Gedichte beschönigen nichts, aber sie verdammen auch nicht. Sie sind dem Leben zugewandt. Ein wenig atemlos vielleicht, angesichts der allgegenwärtigen Vergänglichkeit, aber immer Ja-Sagend zum Sein, zum Leben.

Mit dem vorliegenden Gedichtband lädt die Autorin ein zum Lebens-Ja, in jeder Sekunde, in jedem Innehalten und Vorwärtsstürmen. Symbolisch für diese Einladung scheinen die letzten drei Seiten des Bandes: drei leere, linierte Seiten, auf denen die Leserin ihre eigene Fortsetzung schreiben kann.
Unbedingt selber lesen und verschenken!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.amelia.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0812 LYRIKwelt © Mit freundlicher Genehmigung von S.T..