Woyzeck von Georg Büchner, ReclamWoyzeck.
Theaterstück von Georg Büchner (2007, Theater Erlangen).
Besprechung von smö aus den Nürnberger Nachrichten vom 5.04.2008:

Büchners Horrorladen
Tortur mit dem wilden «Woyzeck» im Theater Erlangen

Gastregisseur Volker Metzler aus Dresden inszenierte Georg Büchners «Woyzeck» am Theater Erlangen. Die auf Modernität bedachte Collage mutet dem Publikum einiges zu.

Kurz vor der Premiere hat das Theater Erlangen «aufgrund der konsequenten Umsetzung der Gewalt, die Büchners Dramenfragment ,Woyzeck‘ innewohnt», einen Besuch erst ab 16 Jahren empfohlen. Am Eingang zum Markgrafentheater hängt der Hinweis, dass Lichteffekte bei Epileptikern zu Anfällen führen können - nicht nur bei Epileptikern!

Warnungen hat dieses Stück wahrlich nötig, denn hier wird dem Publikum - auch jenseits der Vollendung des 16. Lebensjahres - einiges zugemutet! Gast-Regisseur Volker Metzler, Oberspielleiter am Theater Junge Generation in Dresden, hat sich aufgemacht, einen «zeitgemäßen Zugriff» auf den unvollendeten Klassiker zu finden. Und so arbeitet er mit all dem Gedöns, das derzeit gerne benutzt wird, um Modernität vorzugaukeln: Video-Projektionen, explizite Gewaltdarstellung, Sex und deutliche Worte: «Hör auf zu singen und fick mich, du blöde Sau!»

Ja, ja. Es geht wild zu in der Welt des einfachen Soldaten Franz Woyzeck und seiner Marie, der jeder sofort an die Wäsche möchte. Die Triebe, die Triebe! Und so hecheln und keuchen die Schauspieler schon mal mit Tiermasken über die Bühne. Stephan Korves darf den Woyzeck mal verzweifelt, mal selbstbewusst, mal wütend geben. Durchdachter ist da schon eher die Figur der Marie, die von der guten Leistung der jungen Schauspielerin Jennifer Sabel lebt, die gerade von Peter Zadeks «Was-ihr-wollt»-Theaterakademie zurückgekehrt ist.

Im originellen und wandelbaren Bühnenbild von Christian Wiehle turnen die Schauspieler dann zwischen Wohnmodulen, in die das Publikum durch Zerrfenster und via Video-Übertragung blickt. Schnell entwickelt sich eine durchgeknallte Collage aus Woyzeck-Texten, Parodien, Pop-Zitaten und reinem Blödsinn.

Da werden im «From dusk till dawn»-Stil reihenweise «Pussies» angeboten oder es wird wie im Horror-Streifen «Halloween» das Messer geschwungen. Und wenn sich der schicke Tambourmajor mal gerade nicht in Robbie Williams verwandelt und «Feel» schmettert, summt ein Chor süße Melodien.

Zum großen Finale der Inszenierungstortur wird dann noch «Hip hip hurra! Alles ist super. Alles ist wunderbar!» angestimmt. Und spätestens dann hofft man, dass nicht lediglich «Die Ärzte» kommen, sondern ein echter Mediziner erscheint, um einen wiederzubeleben!

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